OFFENER BRIEF an die Gemeinde Reichelsheim

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Reichelsheim, 24.11.2020

Lieber Bürgermeister Stefan Lopinsky, liebe Mitglieder*innen des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung der Gemeinde Reichelsheim,

Wir freuen uns darüber, dass sich die Gemeinde Reichelsheim gegen den Bau des Windparks Brombach mit 6 Windkraftanlagen, davon 3 mit 247 Metern, auf dem 144,9 ha großen Gebiet Stotz / Kohlwald / Range (2-292) Gemarkung Gumpen ausspricht.

Wir unterstützen die Gemeinde Reichelsheim, sich dem Vorhaben des Regierungspräsidium Darmstadt und des Regionalverband FrankfurtRheinMain laut 1. Änderungsverfahren zum TPEE 2019 anzuschließen, die Weißfläche 2-292 als Vorranggebiet zur Nutzung für Windenergie aufgrund von Artenschutzgründen nicht weiter zu verfolgen.

Wir fordern, dass die Gemeinde Reichelsheim alle möglichen Maßnahmen unternimmt, diese Anlagen zu verhindern und die Beantragung durch den WKA-Anlagenbauer Vestas für 6 Windkraftanlagen nicht zulässt. Alle diesbezüglichen Aktivitäten, ob öffentlich oder privatwirtschaftlich, müssen umgehend eingestellt werden.

Wir möchten Sie hiermit informieren, weshalb die Bürgerinitiative Reichelsheim „Windkraftfreier Odenwald“ stellvertretend für viele Reichelsheimerinnen und Reichelsheimer (über 1.400 haben unterschrieben) gegen den Bau des Windparks Brombach ist:

WALDSCHUTZ
Der Bau des Windparks Brombach würde die Gesundheit und die Stabilität des dortigen Ökosystem stark beeinträchtigen. Die Erschließung des Gebiets stellt sich außerdem als besonders schwierig dar, da es durch sehr steile Böschungen geprägt ist. Die riesigen WKA stehen nicht mehr in Relation von Waldfläche zu Windkraftpark.

ARTENSCHUTZ
Dass auf dem Höhenrücken Stotz / Kohlwald / Range (2-292) zwischen Fürth und Reichelsheim seit Jahren kontinuierlich Brut- und Lebensraum für Rotmilan, Schwarzmilan, Schwarzstorch, Uhu, Baumfalke, Sperlingskauz, Graureiher, Wanderfalke, Wespenbussard, Mäusebussard, Waldschnepfe und Kolkrabe vorliegen, ist der Gemeinde – und allen Anwohner*innen bekannt. Wir schließen uns daher der Empfehlung des Regierungspräsidiums an, diese Weißfläche aus Artenschutzgründen zu streichen.

LANDSCHAFTSSCHUTZ
Das Gebiet Stotz /Range / Kohlwald (2-292) ist ein landschaftlich einzigartiger Höhenzug, der von weither sichtbar ist. Sein Wechsel aus bewaldeter Bergkuppe, den Bachläufen und Streuobstwiesen macht ihn bei Einwohner*innen und Tourist*innen sehr beliebt. Eine Bebauung mit WKA würde eine der wohl prägnantesten Kulturlandschaften in ihrer Eigenart und Schönheit im Odenwald stark dominieren und den besonderen Erholungswert beeinträchtigen.

KULTURSCHUTZ
Auch wenn es das Regierungspräsidium im ersten Verfahren zurückgewiesen hat, muss man die Sichtbeziehungen zur Burg Lindenfels aufgrund neuer Höhen der WKA – drei der höchsten WKA mit 247 Meter im Odenwald – erneut überprüfen. Außerdem gilt es, die Irrbachquelle zu schützen. Ein Ort und eine Tradition, die die Bewohner*innen mit mythischen Vorzeiten und dem Wald als Lebensquell ihrer Region verbindet.

BRAND- UND EISSCHUTZ
Die Gefahren durch Brand und Eisschlag sind bekannt. Wir geben zu bedenken, dass die Siedlungen sehr nahe an den WKA sein werden, zum Teil 600 Meter.

TRINKWASSERSCHUTZ
Durch die Einbringung von wassergefährdenden Giften wird die Wasserqualität im FFH-Gebiet „Oberläufe der Gesprenz“ (im Steckbrief der Natura- 2000 Gebiete) unnötig gefährdet. Mehrere kleine Bachläufe (Marbach, Brenzenbach, Irrbach) im unmittelbaren Planungsgebiet münden in die geschützten Bäche Osterbach und Gersprenz.

GESUNDHEIT DER BEWOHNER
Die Anwohner im Umkreis von bis zu 7 KM der in der Nähe bereits aufgestellten Windräder am Kahlberg berichten mehrheitlich von gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Wenn in unmittelbarer Nähe auf dem Stotz (2-292) weitere 6 Windräder, die bis zu 50 Meter höher sein sollen, gebaut würden, wäre dies für die Menschen, die im Umkreis wohnen, schwer belastend.

TOURISMUS
Eine Balance zwischen Windparks und unverbauter Natur und Landschaft ist wichtig, um einen nachhaltigen, regionalen Naturtourismus im Gebiet zwischen Reichelsheim, Fürth und Mossautal, wo bereits zwei Windkraftparks mit insgesamt 11 WKA stehen, zu gewährleisten. Der Bau des Windparks Brombach würde dieses Gebiet für Tourist*innen unattraktiver machen. Die Chance auf eine wirtschaftliche Infrastrukturaufwertung würde deutlich reduziert.

ENERGIEFFIZIENZ
Die geplanten WKA Brombach werden unter dem avisierten Energieertrag liegen, sind damit nicht effizient und nicht wirtschaftlich im Sinne der nationalen und lokalen Anstrengungen zur Energiewende.

Ihre Bürgerinitiative Reichelsheim